Vor dem Sägen

Dienstag, 25. März 2008

Mit Kristof gemeinsam reiße ich den letzten Rest des alten Stallgebäudes ab.
Jetzt ist das Baufeld frei.

Mittwoch, 26. März 2008

Beim allwöchentlichen Mittwochstermin laufen die Absprachen mit Heinrich. Er wird am Samstag zum Stapeln der Bäume kommen. Veit ist zu Besuch. Wir sprechen während der Backvorbereitungen über die Struktur der Baustelle.
Wer kann den Überblick behalten, wie werden Helfer eingebunden? Soll man Profis engagieren und wie verträgt sich das mit der „ehrenamtlichen“ Hilfe?
Ich führe die noch nicht ganz geklärte Finanzierung ins Feld. Wir sollten nicht zu früh teure Entscheidungen treffen. Erst soll die Sägeaktion abgeschlossen sein.

Donnerstag, 27. März 2008

Am Abend sitzen Daniel und ich über den Zeichnungen und der Statik und versuchen, eine möglichst genaue Holzliste aufzustellen. Die Köpfe rauchen. Planung hat auch ihre Tücken.
Es gibt das Modell, die Aufrisse von mir und die Statikzeichnungen, die nun alle zusammen zur Bedarfsermittlung herangezogen werden.

Freitag, 28. März 2008

Eigentlich wollten wir an diesem Tag ablängen, das heißt, die ganzen Stämme auf Längen zerschneiden, die sich auf Grund der Holzliste ergeben.
Tobias, der Säger, rückt am Nachmittag mit der Säge an. Wir brauchen den ganzen Abend um die Liste zu beenden.

Samstag, 29.März 2008

Daniel und ich längen die Bäume ab, bei Regen und Wind. Nach all dem theoretischen Arbeiten endlich an der Luft, endlich den Körper gebrauchen.
Am Nachmittag zieht Heinrich mit dem Teleskoplader ein und beginnt die Bäume zu stapeln.

Sonntag, 30. März 2008

Die Zeit wurde umgestellt. Gegen Mittag kommt Heinrich erneut zum Stapeln.
Die Dorfstraße ist eine einzige Modderwüste. Morgen um acht Uhr soll es losgehen.

Kantholz, Schalung, Sägemehl

Montag, 31. März 2008

Um halb neun kommt Tobias ins Dorf. Die erste Schicht steht bereit.
Die Säge wird positioniert. Am Abend war Tomben angereist, der die Sägetage mit Film- und Photokamera dokumentieren wird.
Gegen zehn kann es losgehen. Wir, die erste Schicht, also Daniel, Lothar, Tomben und ich, bekommen eine kurze Sicherheitseinweisung.
Unsere Arbeit besteht darin, die Schwarten, unbesäumte Bretter, besäumte Bretter und Kanthölzer von der Säge abzuräumen und weiter zu verteilen.


Die Schwarten werden auf spezielle Böcke gestapelt, mit Eisenbändern packetiert und später als Bunde gestapelt. Die unbesäumten Bretter, die später zur Schalung des Gebäudes werden sollen, werden ungefegt gestapelt und erst nach der Sägeaktion weiterbehandelt, also geschält und gefegt.


Die besäumten Bretter für die Dachschalung werden auf Böcke abgelegt, Rindenreste mit Zugeisen entfernt, danach werden sie abgefegt und gestapelt. Ebenso die Kanthölzer. Tobias startet die Säge und das Team setzt Ohrenschützer auf.

Die Bandsäge wird von einem Benzinmotor angetrieben.
Ein hydraulischer Arm hebt die Stämme auf den Sägetisch. Nach Augenmaß wird er von Tobias ausgerichtet, dann schneidet die Säge die erste Schwarte herunter und in Folge ein oder zwei unbesäumte Bretter, dann ein oder zwei besäumte Bretter. Dann wird der Stamm mit Hilfe einer weiteren hydraulischen Vorrichtung gedreht, und das Sägen setzt sich von der nächsten Seite fort.

Während der Sägetisch freigeräumt wird, rollt eine kleine Truppe den nächsten Stamm mit Hilfe der Wendehaken auf den hydraulischen Arm.


Am Nachmittag kommt die Sonne raus und es wird so richtig warm. Die ganzen Tage haben wir, abgesehen von ein paar Regentropfen, riesiges Glück mit dem Wetter.

Am Ende bleibt ein dicker Klotz, der von der Säge zu zwei, vier, sechs oder bei außergewöhnlich dicken Bäumen sogar zu neun Kanthölzern aufgetrennt wird.




Dienstag, 1. April 2008
Das Team heute besteht aus Daniel, Tom, Ole und mir. Tomben greift als Springer zu und am Nachmittag steigt Alfred noch für ein paar Stunden ein.
Obwohl die Muskeln und Knochen ganz gut spürbar sind, macht es riesig Spaß.


„Das ganze Dorf riecht nach Holz,“ hatte Werner am Vorabend gesagt. Immer wieder werden wir besucht, wird das Sägewerk bestaunt. Waldbesitzer aus der Umgebung schauen vorbei und viele Freunde.

Es ist auch ziemlich laut im Dorf. Von neun Uhr am Morgen, bis neunzehn Uhr am Abend kreischt die Säge. Wir Mitarbeiter haben die Mickymäuse auf den Ohren, den anderen hier wird einiges abverlangt.


Der Dienstag wird unser ertragreichster Tag. Die großen Brocken sind gesägt. Die zwei langen Pfetten ebenso wie das Sprengwerk. Immer wieder macht es Freude, bestimmte Teile zu erkennen und schon in diesem Stadium zu wissen, wo sie einst landen werden. Dazu trägt auch das Modell entscheidend bei.

Mittwoch, 2. April 2008

Am Morgen gibt es Probleme. Tobias hatte sich ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht und sich aus seinem Auto ausgesperrt. Glücklicherweise hatte er die Sägebänder und den Treibstoff schon am Vorabend aus dem Auto geholt. Während eines kurzen, aber festlichen Geburtstagsfrühstücks wird die Lage erörtert.

Der ADAC – Mann kann nicht helfen ohne das Auto zu beschädigen. Ein zweiter Schlüssel liegt bei Tobias zuhause, der Hausschlüssel ebenso im Auto.
Wir sägen erstmal weiter.

Es zeichnet sich ab, dass wir schon am frühen Nachmittag mit dem ersten Teil fertig sind. Dann muss wieder abgelängt und von Heinrich gestapelt werden. Heinrich wird am Donnerstag früh mit dem Teleskoplader hier sein.


Gegen Mittag haben wir, Daniel, Tomben, Alfred und ich, schon fast das Tagesziel erreicht.

Angeblich sind auch schon die ersten Holzböcke gesichtet worden. Es macht also wirklich Sinn, die Kanthölzer und Bohlen ordentlich zu entrinden, da diese Holzschädlinge ihre Eier genau in diese schmackhafte Schicht legen und die Larven dann bis zu acht Jahre lang das Holz verzehren, ehe sie ausfliegen. Am Nachmittag sind wir durch.


Tobias reinigt die Maschine und fährt dann nach Hause, um den Ersatzautoschlüssel zu besorgen.
Unterdessen bereiten wir die Geburtstagsparty vor und warten auf das Wildschwein.

Der Mittwochstermin sieht nun wieder einmal einen vierzigsten Geburtstag.

Donnerstag, 3.April 2008

Am Morgen, nach nicht sehr langem Ausschlafen, werden die Reservebäume abgelängt. Lange diskutieren wir über die Eichenstämme. Es wäre schön, wenn aus dem dünneren Stamm mit den Wasserreißern Tischlerware werden könnte, andererseits eignet er sich wegen seiner Länge besonders für die vierzehner Schwellenhölzer. Schließlich finden wir einen Kompromiss.

Um zehn Uhr kommt Heinrich mit dem Teleskoplader, stapelt die letzten Bäume und fährt die Schwartenbunde auf das Grundstück. Dann folgt ein ausgiebiges Mittagessen mit Wildschwein und Sauerkraut.


Am Nachmittag ereilt uns eine der vielen Kuchenspenden von den Nachbarn. Es ist jetzt absehbar, dass wir, sofern alles gutgeht, am Freitag fertig werden.


Tom rückt seine Pappelstämme an die Maschine. So werden auch die Pferde beteiligt. Am Abend zieht Luzi noch den Langholzwagen mit Balken zum Bauplatz.

Freitag, 4. April 2008

Der voraussichtlich letzte Tag. Heute erhalten wir Verstärkung von Wonni und Willi. Wir anderen merkten seit Mittwoch eine abfallende Leistungskurve.


So sind wir heute stark besetzt und insbesondere Daniel und ich kommen noch einmal dazu, die gute Stimmung zu genießen.


Am Nachmittag erhalten wir nochmal Besuch von Heinrich, diesmal ohne Teleskoplader.

Vor der Mittagspause kommt die dicke Eiche auf den Sägetisch. Nach Auswertung der Jahresringe ergibt sich ein Alter von über zweihundert Jahren. Das heißt, diese Eiche wuchs schon heran, als unsere Häuser noch nicht gebaut waren und Napoleon gerade in Europa seine Feldzüge betrieb.

Die Eiche ist über sechzig Zentimeter im Durchmesser dick. Der hydraulische Arm schafft es nicht, sie auf den Sägetisch zu wuchten und muss von mehreren Helfern unterstützt werden.


Nach der Eiche sägen wir zum Ausklang nur noch Schalbretter, von denen wir reichlich für die Dachschalung benötigen.

Gegen sechzehn Uhr rollt der letzte Stamm auf den Sägetisch.
Die Stimmung wird freudig bis ausgelassen. Mit zwei Flaschen Champagner wird der Abschluss der Aktion begossen.

Am Ende laufen noch einige kurze Obstholzstämmchen, die Sebastian aus Berlin mitgebracht hatte, über die Säge. Das letzte Sägeband ist aufgezogen. Die Stämme sind glücklicherweise frei von Kriegsüberresten.


Mit einem festlichen Abendessen, das Elke für die überlebenden Helfer ausrichtet, feiern wir den glücklichen Abschluss der Aktion.
Als nächstes steht nun die Fundamentplanung an. Das wird mit Wonni gemeinsam geschehen.
Mitte April beginnt dann das Schachten.

Bis dahin muss noch ein riesiger Haufen unbesäumter Schalung von Rinde befreit und das Holz ordentlich in der Nähe des Baufeldes aufgestapelt werden.

By |2008-03-30T19:50:00+02:00März 30th, 2008|Haus und Hof, Uncategorized|0 Comments

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