Nach dem Sägen

Samstag, 5.April 2008

Tobias reiste noch in der Nacht ab, um den Samstag in der Schärfkammer verbringen zu können.
Die Anstrengung der letzten Tage kommt uns erst allmählich zu Bewußtsein, nachdem die Sägewoche wie ein Rausch verflog. Das Wochenende wird wirklich ein Wochenende.

Für Freunde der Zahlen und der Statistik seien hier noch einige Positionen benannt.
Laut Rohholzliste der gräflichen Forstverwaltung haben wir 52 Festmeter Kiefer und 5 Festmeter Eiche verarbeitet. Das entspricht in unserem Fall 38 Kiefern zwischen 7 und 18 Metern Länge und einem Durchmesser zwischen 32 und 52 Zentimetern. Das sind also recht kapitale Bäume, etwa 120 Jahre alt. Bei der Eiche handelte es sich um zwei Stämme von 10 und 8 Meter Länge und einem Durchmesser von 50 und 60 Zentimetern.

Da bei der Bemessung des Forstes der Stammdurchmesser auf halber Länge gemessen und noch einiges an Rindenabzug in Anrechnung gebracht wird, ergab sich eine Sägemenge von circa 70 Kubikmetern, was einer Ausbeute von etwas über 50 Kubikmetern Bauholz entspricht.

Sonntag, 6. April 2008

Die liegengebliebene Korrespondenz wird erledigt und der blog bearbeitet.
R. und V. kündigen ihren Besuch für Mittwoch an.

Montag, 7. April 2008

Mit Toms und der Pferde Hilfe bewegen wir erste Wagenladungen Kanthölzer in Richtung Baufeld.
An dieser Stelle will ich auch noch unsere beiden Pferde vorstellen: Luzi, die schon etwas ältere Haflingerdame, die sich als angstfreies und williges Tier auch beim Holztransport und beim Rücken einiger Stämme wieder beweisen konnte. Und Berry, der Norweger, jünger und ungestümer, der noch an die Holzarbeiten gewöhnt werden soll. Immer wieder erstaunt die Kraft dieser Tiere, die einen ordentlichen Stamm, den vier Mann unter großer Anstrengung kaum zu bewegen vermögen, scheinbar mühelos rücken können.

Am Abend besucht uns, Wonni und mich, Heiko aus Gagern, den wir als Freund und Fachmann für Beton- und Tiefbauarbeiten schätzen, um die Planung und den Materialbedarf für das Fundament mit uns zu besprechen.
Es erweist sich, daß wir bislang sehr knapp kalkuliert haben und die Materialkosten es erforderlich machen, die Knochenarbeit des Selbstmischens auf uns zu nehmen, wenn wir das Budget nicht überstrapazieren wollen, was zu unkalkulierbaren Engpässen bei den bevorstehenden Holzarbeiten führen könnte.

Dienstag, 8. April 2008

Am Abend finde ich zum ersten Mal nach der Sägewoche Zeit, mich mit Hilfe des Modells in die Planung des Innenausbaus zu versenken.
Dabei kristallisieren sich einige Bereiche etwas bildhafter aus.
Die Treppe, die ursprünglich rechts von der „Bühne“ vorgesehen war, wird in die Nordwestecke des Hauptgebäudes verlegt, wo sie sich in einer Viertelwendung um den Schornstein legen soll. Diese Position ermöglicht ein Betreten des Ranges, ohne zuvor den gesamten Raum durchqueren zu müssen. Der westliche Eingangsbereich soll keinen Holzfußboden, sondern einen Ziegelboden erhalten, ebenso wie der Bereich um den Brotbackofen.
Hinter diesem „Küchenort“ sollen zwei Toiletten und eine kleine Sauna mit Dusche eingebaut werden.
Den Boden der „Bühne“ bilden die alten Eichenbohlen aus der ehemaligen Scheune, die auch an einigen Wänden im Parterre als Wandverkleidung zum Einsatz kommen sollen, vermutlich in dem Bereich der Treppe und des Schornsteins.

Ein Experiment wird der Fußbodenaufbau des Saales darstellen. Im Eingangsbereich Ziegelboden, der in Lehm verlegt auf einer Schicht aus Lehmblähtongemisch und dem Unterbeton ruht. Im Bereich unter dem Luftraum und der seitlichen Galerie ein Stampflehmboden, der auf einer Lehmblähtonmischung liegt, wobei der Unterbeton an dieser Stelle durch eine Schicht Kies ersetzt sein wird, die das Aufsteigen von Feuchtigkeit verhindern soll, während der Blähton mit seinen Lufteinschlüssen eine Dämmschicht bildet.
Man wird also auf diesem Fußboden auf Erde stehen können, ohne irgendeinen Beton unter sich zu haben. Das bietet auch den Vorteil, daß, sollte irgendwann einmal in ferner Zukunft, wenn das Gebäude einmal nicht genutzt wird und das große Dachfenster über diesem Raum undicht wird, das eindringende Wasser versickert und nicht wie in einer Wanne stehenbleibt, wo es Ziegel und Holzkonstruktionen schädigen würde.

Erwiese sich dieser Fußbodenaufbau wegen möglicher aufsteigender Feuchtigkeit als problematisch, könnte er jederzeit durch einen Fußbodenaufbau mit Unterbeton ersetzt werden.

Der Lehmboden wird im Normalbetrieb durch dicke Kiefernbohlen abgedeckt.
Dieser Fußbodenaufbau stellt auch einen Versuch dar, den Einsatz des klimaschädlichen, weil in seiner Herstellung sehr energiefressenden Betons möglichst zu begrenzen.

Auch die Ausfachungen der Fachwerkwände sollen in Lehm ausgeführt werden, der direkt beim Ausschachten der Baugrube anfällt.

Bei all dem bleibt zu beachten, daß es sich bei dem entstehenden Gebäude selbstredend, wie in der Baugenehmigung vorgesehen, um einen Stall, mit Werkstatt, Sattelkammer, Garage und Lager handelt.
Der Bereich des Stalles ist das Parterre, also die Fläche mit dem Stampflehmboden, die Werkstatt nimmt den westlichen Teil des Hauptgebäudes ein, hauptsächlich aber das Obergeschoß, das auch durch die Abwärme der Pferde im Winter mit gewärmt wird.
Wer weiß, vielleicht werden in ferner Zukunft und bei Zuspitzung krisenhafter Erscheinungen neue Lebensweisen erforderlich, die auf dem Lande zu einem Zusammenrücken von Mensch und Tier führen könnten, wie es vor noch nicht so langer Zeit und bei weniger Energieverbrauch durchaus üblich war.

Mittwoch, 9. April 2008

Zum Jour fixe am Mittwoch besuchten uns auch R. und V. auf der Durchreise nach Klaipeda. Von dort aus wollten sie zur kurischen Nehrung aufbrechen, um Rs. Geburtstag dort in den Dünen zu feiern.
Neben der Besichtigung der Bauholzausbeute und dem Besprechen von Änderungen in der Planung wurde auch die weitere finanzielle Ausstattung des Projektes ins Auge gefasst.
Zum Richtfest am 2. August soll es ein großes Benefizkonzert geben, das zur zweiten Stufe des Baus, dem Grasdach und dem Innenausbau, einen wesentlichen Beitrag leisten wird.
Der „Salon“ erwies sich wieder als ein gut besuchter und beliebter Ort.

Donnerstag, 10. April 2008

Nachdem R. und V. zur Fähre nach Klaipeda gebracht worden waren, beschäftigten sich Wonni und ich mit der genauen Planung des Fundamentes. Endlich konnten wir nun auch den genauen finanziellen Rahmen für die Arbeiten abstecken, die uns bis zum Beginn des Holzabbundes noch bevorstehen.
Für die Fundamente von Haupt- und Nebengebäuden werden wir 24 Kubikmeter Beton benötigen, für dessen Mischung wir 50 Tonnen Kies und 430 Sack Zement a 25kg verarbeiten werden. Für den gemauerten Teil des Fundamentes müssen 3500 Mauersteine im Reichsformat besorgt werden.
Darüberhinaus fallen nicht unerhebliche Kosten für Eisen und Befestigungsmaterial wie Gewindestangen an.
Grob kalkuliert, je nach Preis für die Mauersteine, werden wir mit den Kosten des Fundamentes zwischen vier- und fünftausend Euro liegen. Diesen vergleichsweise günstigen Preis können wir nur durch das Selbstmischen erreichen, was mit Hilfe aber möglich sein sollte.

Von Heinrich gibt es das Angebot, einen kleinen Bagger benutzen zu können, was grundsätzlich eine große Erleichterung darstellen wird, allerdings tauchte neulich wieder das Bruchstück eines jungsteinzeitlichen Werkzeuges auf, was die Vermutung erhärtet, daß unser Dorf auf sehr alten Siedlungsschichten liegt, und so erscheint es mir sinnvoll, die Erdarbeiten behutsam vorzunehmen, da es sich bei dem Gelände um einen Ort handelt, dessen tiefere Schichten noch nicht von modernen Pflügen zerstört sind.

Aus der Tierwelt gibt es zu berichten , daß Tüte, der allseits beliebte Hauskater, endlich bei der Tierärztin war, unter Antibiotika steht, es ihm aber deutlich besser geht und er jetzt wieder unpüriertes Katzenfutter zu sich nehmen kann, was eine große Erleichterung darstellt, da es wahrhaftig kein Vergnügen ist, zwischen Aufstehen und Morgenseiten auch noch Katzenfutter zu pürieren, während der Kaffee in der Kanne blubbert.

Freitag, 11. April 2008

Am Abend fand unser monatlicher Dorfrat statt. Bei dieser Gelegenheit erläuterte ich den neuesten Stand des Projektes und nahm Anregungen auf, wie den Vorschlag, den Eingang zum Gelände möglichst in der Nähe meines Wohnhauses zu belassen, um keine Störungen bei der „Nummer 8“ zu bewirken. Ebenso wurde über das Benefizkonzert gesprochen, welches prinzipiell begrüßt wird, allerdings wurde von Werner angeregt, die ganze Logistik gut vorzubereiten, während Tom vorschlug, den Ansturm durch eine Art Voranmeldung oder Gästeliste zu kontrollieren.