Projektbeschreibung, Faust als Parkprojekt

„Faust der Tragödie erster Teil“

Im Jahr 2009 fand im Schloßpark Pansevitz der erste Mondscheinspaziergang statt, der vom Verein Hinterlandbühne erarbeitet wurde. Ziel der Mondscheinspaziergänge war es, den Park, der auch zugleich Friedwald von überregionaler Bedeutung ist, für Besucher in einer hellen Mondnacht erlebbar zu machen, und die Möglichkeiten auszuloten, die ein Park als Theaterraum bieten kann.

In den folgenden Jahren entwickelte sich der Mondscheinspaziergang, der inzwischen an fünf Abenden in den Sommermonaten Juni bis September durchgeführt wird, zu einer festen Kulturveranstaltung im Park. Im Jahr 2010 erhielt der Verein Hinterlandbühne e.V. für seine Theaterarbeit im Park den Förderpreis der Kulturstiftung Rügen. Die Spaziergänge sind jeweils einem bestimmten Thema gewidmet, dem sich die Theatergruppe mit Mitteln des gestalteten Textes, Performanceszenen, Musik, Klang und Tanz annähert. So erarbeitete die Gruppe beispielsweise Abende zum Thema „Revolution“, „Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann“, „Die ehemaligen Schloßherren von Krassow und der große nordische Krieg“, und zuletzt den Abend „Hier war Goethe…nie“, eine Reise durch das Leben Johann Wolfgang von Goethes.

Eine Gruppe von 30 bis 80 Besuchern trifft sich in der Abenddämmerung in der Ruine des Pansevitzer Schlosses und begibt sich teils geführt, teils gelockt durch den nächtlichen Park. Neben den Theaterszenen gibt es meist auch eine Pausenstation mit einer kleinen kulinarischen Überraschung.

Die Spaziergänge haben eine Dauer von etwa zwei bis zweieinhalb Stunden.

Der große Publikumserfolgerfolg von „Hier war Goethe …nie“ und eine Aufzeichnung für eine Dokumentation im Fensehsender RBB, (Ausstrahlung am Karfreitag 2016), läßt ein noch größeres Interesse erwarten. Dies bestärkt uns, für den kommenden Sommer ein ganzes Theaterstück für den Park zu entwickeln.

Wir haben uns für den Faust entschieden, da wir für den letzten Spaziergang schon eine Szene aus Faust erarbeitet hatten und den Theaterabend als neues Format im Park durch den wiederaufgenommenen biographischen Abend über Goethe flankieren können. Eine große Herausforderung wird dabei auch wie in jedem Jahr die unvorhersehbare Wetterlage sein. Bis zu einem gewissen Grad kann die Veranstaltung im Park stattfinden, bei zu starkem Regen müssen wir in die kleine Spielstätte des Vereins in etwa fünf Kilometer Entfernung in Schweikvitz ausweichen.

Für die Mitwirkung an Regie, Dramaturgie und Theaterpädagogischer Arbeit konnten wir die Regisseurin Claudia Bauer gewinnen, die neben ihrer intensiven Regiearbeit im deutschsprachigen Raum (derzeit auch als Hausregiesseurin am Theater Leipzig), auch als Dozentin an der Ernst Busch Hochschule in Berlin unterrichtet.

Diese Arbeit bedeutet auch für unsere zumeist Laiendarsteller eine gute Möglichkeit weiter an ihren Fähigkeiten zu arbeiten.

Dem Ensemble werden etwa acht Schauspielerinnen und Schauspieler, zwei Nebendarsteller und drei Musiker angehören.

Mit der Konzeption geht es im Januar los, die eigentliche Probenarbeit beginnt dann Anfang März.

Die erste Vorstellung soll Ende Juni stattfinden, die letzte Vorstellung Anfang September.

Wenn möglich soll der Abend dann in unsere Spielstätte in Schweikvitz übernommen werden.

Ziel des Projektes ist es, einen ganzen Theaterabend in den Park zu holen und weiter Erfahrung zu sammeln wie dieser „ungewöhnliche“ Theaterraum genutzt werden kann. Dazu ist es erforderlich eine parktaugliche Fassung des Faust, erster Teil zu erarbeiten.

Überdies soll die Möglichkeit, diesen Theaterabend auch in anderen Parks innerhalb des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu spielen, ausgelotet werden.

Inhaltlich soll der Frage „Was ist Fortschritt“ nachgegangen werden. Der Pakt mit Mephisto zwingt Faust zur Unersättlichkeit. Verweilt er in Zufriedenheit mit seiner Situation, ist er der Hölle verfallen. Darin gleicht er dem „entwickelten“ Menschen, dem Maß und Ziel verlorengegangen ist und der erst im Angesicht der Katastrophe zur Einsicht kommt.

„Ein Leitmotiv wird die Droge und das Gift im Faust sein – Der Todestrank,der Faust in den Rausch des Osterspaziergangs versetzt, das Gift, mit dem Faust und sein Vater die Patienten totkuriert haben, der Verjüngungs und Potenztrank in der Hexenküche, der Trank in Auerbachs Keller, der die Gesellen „kannibalisch wohl“ sein läßt, das Gift, mit dem Gretchen ihre Mutter tötet, die Naturdroge in Wald und Höhle, in der Walpurgisnacht die Ritualdroge, daneben der Liebesrausch mit Gretchen. Aus der Blutpaktdroge entwickelt sich das „Nichtanhaltenkönnen“ Fausts (Oh Augenblick, du bist so schön – bedeutet Tod und ewige Verdammnis) da ist der Faust ganz der moderne Mensch, der zum Beispiel im Erdöl seine Droge fand, die ihn nun nicht mehr anhalten läßt.
Das Nichtanhaltenkönnen treibt den Mörder Faust nun also in weitere Verbrechen und durch ihn wird auch Gretchen zur Verbrecherein – allerdings wird sie am Ende anhalten und sich der Befreiung aus dem Kerker durch Faust verweigern.“

Für die Mitwirkenden bedeutet diese Arbeit einen weiteren Schritt, sich als Ensemble zu konsolidieren und die darstellerischen Fähigkeiten zu entwickeln, während es für den Verein eine wichtige Aufgabe sein wird, die Werbung und Kartenvorverkaufssituation zu organisieren und zu proffesionalisieren.

Der Schloßpark Pansevitz hat regional und überregional aufgrund seiner stetigen Entwicklung auch in seiner Funktion als Friedwald eine besondere Bedeutung. Er stellt für uns eine Möglichkeit dar, ungewöhnliche Theaterformen zu entwickeln und diesen Raum experimentell zu erschließen.

Die Stiftung „Schloßpark Pansevitz“ ermöglicht dem Verein „Hinterlandbühne“ nun schon seit sieben Jahren die Nutzung des Parks als Kunstraum und unterstützt die Veranstaltung auch monetär.

Der vielgespielte erste Teil des Faust soll die Grundlage für die Beschäftigung mit dem selten gespielten zweiten Teil des Faust bilden, der dann den Schwerpunkt für das Jahr 2017 bilden könnte.