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Zuschauer-Kommentare 2017-09-23T08:17:37+00:00

Alle Zuschauer-Kommentare zum Faust auf einen Blick

  • Pegg Skott schrieb:

    Einige Sätze zu der wunderbaren Inszenierung von Faust II, welche ich im vorletzten Schlussakkord einatmen und wahrnehmen durfte: Eine ganz große künstlerische, als auch schauspielerische, als auch choreographische und dramaturgische Leistung! Ich verneige mich zutiefst vor dieser Annäherung und Umsetzung, eines klassischen Stoffes und einer Textmatrikula, welche sich an diesem Abend in lebendige, tiefe, zeitrüttelnde Bilder übersetzte – atmete, lebte, auferstand. Es ist dir gelungen, die Essenz zu filtern und durch Sprache und Metaphorisierung, Bühnenbild, Landschaftseinbezug, eine bewegende und substantiell ergreifende Aufführung zu stiften, die nicht nur einen Brückenschlag über Jahrhunderte vollführte, sondern staunend und atemberaubend in den Zuschauer einging, einstieß, einschmolz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mensch den Park betrat und ihn unverändert im Geiste wieder verließ. Dem Gegebenen eingefühlt, erschlossen sich die Szenenbilder, griffen, fesselten, bannten zugleich … wieder und wieder. Der skurile Karren, das lieblich zerfetzte Schattenspiel, der See, das Boot, der ——, die Liebe – zerborsten als auch gefunden, die Hohlweide, der Schmerz, der Weg, das Sehnen – gelebt, durchlitten, verwunden // gipfelten gleichsam im Schlussakt zu einer überirdischen, fabulösen, stakkatohaften Kurzatmigkeit, der sich nicht mehr zu entziehen war. Bilder, Bilder, Bilder … wie einer Sanduhr gleich – der Tod, der in die Enge läuft, getrieben – Urteil, Verurteilung, die Folgerichtigkeit. // Aber wer atmet noch, wenn der Pulsschlag gefriert. Der Faustus stürzt, in den Sarg der verdienten, heraufbeschworenen Verzweiflung und Bitternis. Ein Finale, dass erstarren läßt – den Blutfluss. // Dann aber WEITE, Weite tut sich auf, die Liebe ist`s die greifet und erweckt über alle Unzulänglichkeiten hinweg. // Und wie er litt und wie er fiel, packte und schnürte die Seelen derer, die Anteil nahmen.// Und der Mond stieg in die Nacht, die tanzenden weißgesichtigen Götzen verstummten … und das Nadelöhr der Endlichkeit weitet sich und macht lebendig, den , den wir alle in uns fühlen, verbergen, entschulden, wären wir wahrhaftig. // Einst, ja einst ist Versöhnung.// Sie gelang Dir/ Deinem Ensemble. Es war brilliantes Theater, Ernsthaftigkeit, nicht minder Humor und verschmitzter Schalk über das Dasein. Es war ein Abend von WELT im „Hinterland“, mehr: gefühlte Wirklichkeit als in jedem vermeintlichem VORN. Danke Deinen Schauspielern, der Musik, den Bühnenarbeitern, Beleuchtern, Hintergrundbeflissenen, Pausenweinstiftern, allen die Anteil haben. Ich war von Herzen beglückt. In Hochachtung.


  • Frieder Jelen schrieb:

    Ich genoss mit meiner Frau und zwei literaturbeflissenen Freundinnen auch eine Eurer Faust II- Aufführungen. Faut I schon im vorigen Jahr. Wir waren sehr angetan und haben uns über die durchaus auch aktuell wirksamen Passagen sehr gefreut, z.B. Geldschöpfung, nimmersatter Landraub. Und dass der Humor nicht fehlte, z.B. beim Abfeuern der Kanone. Seid herzlich bedankt. Andere fanden, dass Ihr den Kulturpreis der Kulturstiftung Rügen verdient habt. Der könnte Euch auch wirtschaftlich zu weiteren Taten ermutigen. L.G. Frieder


  • Michael Schulz schrieb:

    Liebe SchauspielerInnen und liebes Team der Hinterlandbühne, mit einigen Fotos von Ihrer Faust II Aufführung in Pansevitz möchten wir und herzlich bedanken für die ideenreiche, phantasievolle, verzaubernde und schauspielerisch wunderbare Umsetzung dieses Themas. Wir sind jedes Jahr einmal dabei und genießen die Zeit im Park. Es ist ein absoluter Gewinn, dass es diese Darbietungen jedes Jahr gibt. Sie nutzen so schön die Umgebung der Parkanlage für traumhafte Inszenierungen und Bühnenbilder. Ihre Darbietungen sind witzig, liebevoll aber auch ernsthaft und vor allem engagiert. Wir erinnern uns sehr gerne daran zurück und grüßen Sie herzlich. Michael Schulz (Greifswald)


  • Birgit Entner schrieb:

    Am 9. Juli, zu Vollmond, habe ich den diesjährigen Faust gesehen – man könnte eigentlich sagen: begangen. Die Aufführung hat mir und den 3 Freunden, die mit mir waren, sehr gut gefallen. Nun bin ich keine so große Theater-Kennerin, dass mein Urteil schwer wiegen würde, habe aber immerhin noch eine einigermaßen lebendige Erinnerung an die vergangenes Jahr aufgeführte Faust I-Inszenierung. Die fand ich für ein Laien-Ensemble (natürlich – mit Ausnahme) schon ziemlich gut. Im vergangenen Jahr hatte ich hinterher einige Aber. Die wollen mir in diesem Jahr nicht einfallen. Danke, das habt Ihr wirklich gut gemacht.


  • Vivien Küssner schrieb:

    Am 28. Juli 2017 besuchten wir die Vorstellung Faust I der Hinterlandbühne Rügen. Wow, was für eine Inszenierung! Ein klassischer Text, ein eigenwilliger Aufführungsort, engagierte Darsteller, freundliche Begleiter mit Scheinwerfern, kooperative Zuschauer, die Nacht und der Mond! Es ist einzigartig, mit welcher Sensibilität man im Pansevitzer Schlosspark Text und Ort zusammenführt: Schon die Ruinen am Eingang des Parks werden zur Bühne, sie werden Fausts Studierzimmer und Spielort für den Prolog im Himmel. Und obwohl hier auf nahezu burleske Weise ein kindliches Gottesbild bedient und mit Klischees gespielt wird, hat das Publikum sein Vergnügen, da abstrahierende Mittel das scheinbar Naive kontrastieren – und umgekehrt. Wenn die ca. 80 Gäste den Schauspielern anschließend in den Park folgen und gemeinsam mit dem Faustdarsteller über die nebelfeuchte Wiese stapfen, übernehmen sie unvermittelt selbst die Rollen als buntes Gewimmel und geputzte Menschen beim Osterspaziergang. Irgendwo auf der Wiese steht dann eine kleine, roh gezimmerte Bühne, die mit ihren üppigen Samtvorhängen und den Zuschauerbänken an die fahrenden Theaterleute des 17. Jahrhunderts erinnert. Hier schließen Faust und Mephisto ihren Pakt, und zwar mit allem, was dazugehört: mit Pudel, Blut und Pentagramm. Während leidenschaftliche Dialoge zwischen Faust und Mephisto bereits andeuten, dass Mephisto, der seine Wette gewinnen will, keine dünnen Bretter bohrt, erzeugen akustische und optische Überraschungen – mal ganz in der Nähe, mal weiter weg – eine wunderbar magische Atmosphäre. Überdimensionale Tische und Stühle, offenbar eine dauerhafte Installation im Park, werden zum Bühnenbild für Mephistos glückloses Bemühen, Faust billige irdische Freuden und die Lust an Saufgelagen nahezubringen. Indem die Szene sanft in die Pause überleitet, befindet sich das Publikum plötzlich selbst in Auerbachs Keller, in dem es für alle Wein, Wasser und weitere Wegzehrung gibt. Doch im Gegensatz zur Titelfigur wissen die Zuschauer diese profanen Genüsse durchaus zu schätzen. Nach der Pause trifft der inzwischen verjüngte Heinrich Faust auf Margarete. Mit Mephistos Hilfe verdreht er dem unschuldigen Gretchen den Kopf und erobert sein Herz. Später steht das schöne Paar auf einem Brücklein, das über ein Bächlein führt und schaut aufs Wasser. Dort spiegelt sich der Mond. Kann es für Margarete einen poetischeren Ort geben, um ihrem Heinrich die berühmte Gretchenfrage zu stellen? Ein Erzähler – im Theater eigentlich unüblich, diesmal aber keinesfalls störend – fasst Gelenkpassagen mit wohltuender Distanz zusammen. So kann das Publikum zum Beispiel noch einmal emotional verschnaufen, bevor es das schuldig gewordene Gretchen im Kerker sieht. Überaus passend wird die ergreifende Kerkerszene vor einer efeubewachsenen Mauer gespielt. Inzwischen ist es längst dunkel geworden, aber immerhin scheint der Mond. Motten und anderes Getier schwirren im Scheinwerferlicht. Das Publikum fröstelt mit Gretchen, das dünn bekleidet, barfuß und verwirrt in seiner Zelle sitzt und mit belegter Stimme anrührend singt. Was für ein zerbrechliches, beeindruckendes Gretchen! Und trotzdem: Sie ist gerichtet! Da bleibt am Ende dann doch die Frage, warum man hier dem alten Goethe nicht folgt, der in seiner letzten Fassung noch ergänzte: Sie ist gerettet! Diese versöhnlichen, vergebenden Worte von ganz oben – ach, die hätte man dem armen Gretchen im Friedwald so sehr gewünscht!